Veit Stoss

Geboren entweder in Schwaben oder in Nürnberg, arbeitete Veit Stoss zwischen 1477 und 1496 in Krakau, Polen, als er Bürger von Nürnberg wurde. Im Jahr 1503 fälschte er Papiere und wurde zum Tode verurteilt. Er wurde zwar begnadigt, aber mit heißen Eisen auf die Wangen gebrandmarkt. Dennoch arbeitete er bis zu seinem Tod in Nürnberg.

Stoss‘ eindrucksvollstes und bedeutendstes Werk ist der Hochaltar (1477-1486) der Pfarrkirche der Jungfrau Maria in Krakau. Es handelt sich um eine aufwendige, polychromierte Holzkonstruktion mit zwei Flügeln, die in Reliefs das Leben der Jungfrau und Christi darstellen. In der Mitte ist der Tod Marias im Beisein der Apostel dargestellt. In dem durchbrochenen gotischen Aufbau fährt Christus mit ihrer Seele in den Himmel auf, und am oberen Ende des Altaraufbaus wird Maria von der Dreifaltigkeit zur Himmelskönigin gekrönt. Der gesamte Altaraufsatz ist ein Feuerwerk aus Gold und kräftigen Farben, vor allem Blau, und die Aufregung setzt sich im Stil der Schnitzerei fort. Die tief unterschnittenen Falten der Draperie brechen scharf ab und wirbeln umher, wobei sie lebendige Muster aus Licht und Schatten bilden. Das Altarbild ist eine technische Meisterleistung, die den Betrachter überwältigt.

Die ersten anerkannten Werke von Stoss nach seiner Rückkehr nach Nürnberg sind die drei Steinreliefs (1499) der Passion im Chor von St. Sebald. Sie sind von bemerkenswerter formaler Konzentration und enormer Kraft, ebenso wie das hölzerne Kruzifix aus der gleichen Zeit und Kirche (heute auf dem Hochaltar der Kirche St. Lorenz).

Hoch über diesem Altar in St. Lorenz, in der Luft schwebend, befindet sich der berühmte Große Rosenkranz oder Salve Regina (1517-1518) von Stoss. Ein hölzerner Kranz aus geschnitzten Rosen und Medaillons, die die Sieben Freuden Mariens darstellen, umgeben die lebensgroßen Figuren von Gabriel und der verkündenden Jungfrau. Der Stil ist klar und etwas nervös in dieser sehr dramatischen Konzeption, die den Rosenkranzkult ehrt, der im späten 15. Jahrhundert von den Dominikanern propagiert wurde.

Ein Hauch von Ruhe und Entspannung sowie ein Hauch des neuen Geistes der Renaissance findet sich im Meisterwerk des späten Stoss-Stils, dem Altarbild Anbetung der Hirten (1520-1523), das für eine Kirche in Bamberg (heute im Dom) geschnitzt wurde. Das Holz wurde absichtlich ungefärbt gelassen, im neuen Renaissancegefühl für das Medium, das Stoss‘ Zeitgenosse Tilman Riemenschneider teilte.

Stoss‘ Genie war so stark, dass es anscheinend unmöglich war, dass sich in seiner Schule in Nürnberg kraftvolle Individuen entwickeln konnten.

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