Schließt ein ungünstiger Gebärmutterhals die Einleitung der Wehen bei Frauen mit Schwangerschaftshochdruck oder leichter Präeklampsie während der Geburt aus?

Die optimale Behandlung von Schwangerschaftshochdruck und leichter Präeklampsie während der Geburt war in den letzten zehn Jahren Gegenstand heftiger Diskussionen. Die Kontroverse konzentriert sich auf den Zeitpunkt der Entbindung, d. h. die Einleitung der Wehen oder die Behandlung in der Erwartungsphase.

Die Befürworter einer sofortigen Einleitung der Wehen äußern die berechtigte Sorge, dass sich die mütterliche Erkrankung verschlimmern könnte, wenn die Schwangerschaft fortgesetzt wird. Die Befürworter des erwartungsgemäßen Managements weisen dagegen auf die Möglichkeit hin, dass die Rate der Kaiserschnittentbindungen bei sofortiger Einleitung erhöht wird; sie führen auch Bedenken an, dass die neonatale Morbidität bei einer frühen Entbindung zunehmen könnte.

Um Licht in diese Debatte zu bringen, teilten die Forscher in der bekannten HYPITAT-Studie 756 Frauen mit Schwangerschaftshypertonie oder leichter Präeklampsie zum Zeitpunkt der Geburt nach dem Zufallsprinzip der Einleitung der Wehen (n = 377) oder dem erwartungsgemäßen Management (n = 379) zu. Alle Frauen trugen einen einzelnen Fötus aus, der zwischen 36 und 41 Wochen alt war und kephalisch zur Welt kam. Die wichtigsten Ergebnisse der in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten Studie waren, dass die Einleitung der Wehen zu weniger „Hochrisikosituationen“ führte (relatives Risiko, 0,71; 95 % Konfidenzintervall, 0,59-0,86), ohne dass sich das Risiko einer Kaiserschnittentbindung erhöhte (RR, 0.75; 95% CI, 0.55-1.04) oder nachteilige neonatale Ergebnisse (RR, 0.75; 95% CI, 0.45-1.26).1

Obwohl diese Ergebnisse wichtig sind, blieb eine Frage in den Köpfen vieler Geburtshelfer haften: Sollte die Entscheidung zwischen Weheneinleitung und Geburtshilfe vom Zustand des Gebärmutterhalses abhängen?

Dieser Frage gingen Tajik und Kollegen nach.

Zooming in on cervical status

In ihrer Sekundäranalyse der HYPITAT-Studie haben Tajik und Kollegen die Assoziation zwischen Geburtseinleitung und erwartungsgemäßem Management erneut analysiert, wobei sie sich auf dieselben Ergebnisse konzentrierten (Hochrisikosituationen, Kaiserschnittentbindung, ungünstige neonatale Ergebnisse), aber sie stratifizierten ihre Daten nach Zervixstatus. Wie bereits erwähnt, sind ihre Ergebnisse überraschend und scheinbar kontraintuitiv:

  • Bei Frauen, die sich einer sofortigen Geburtseinleitung unterzogen, war die Länge des Gebärmutterhalses nicht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Hochrisikosituationen verbunden
  • Der positive Effekt der Geburtseinleitung – im Sinne einer Verringerung der Kaiserschnittrate – war bei Frauen mit einem ungünstigen Gebärmutterhals größer.

Stärken und Grenzen der Studie

Insgesamt handelt es sich um eine gut durchgeführte Sekundäranalyse, die sich mit einem wichtigen Thema befasst. Sie zeichnet sich aus durch 1) einen robusten Datensatz, bei dem alle interessierenden Variablen erfasst wurden, und 2) einen durchdachten Ansatz für die Datenanalyse.

Die Analyse wirft jedoch auch eine Frage auf: Ist es möglich, dass einige der negativen Ergebnisse (zusammengesetzte neonatale Morbidität) auf eine unzureichende Aussagekraft zurückzuführen sind? Diese Frage stelle ich mir immer, wenn ich eine Sekundäranalyse einer randomisierten, kontrollierten Studie sehe. Die Antwort lautet hier: Möglicherweise.

WAS DIESE BEWEISE FÜR DIE PRAXIS BEDEUTEN

Diese Studie liefert zusätzliche Beweise dafür, dass die Einleitung der Wehen bei Schwangerschaftshypertonie oder leichter Präeklampsie in einer Schwangerschaft von 36 Wochen oder darüber hinaus die optimale Vorgehensweise ist – unabhängig vom Zervixstatus. Ich würde erwarten, dass Kliniker die Ergebnisse der HYPITAT-Studie, einschließlich der Sekundäranalyse, annehmen und diese Behandlungsstrategie in ihre Praxis einbeziehen.

GEORGE MACONES, MD

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