Review: Urinetown: Schrecklicher Titel – wunderbare Show

Mikko Juan (Mitte) als Bobby Strong und die Truppe von Urinetown (Photo Credit Jeff Carpenter)

Mikko Juan (Mitte) als Bobby Strong und die Truppe von Urinetown (Photo Credit Jeff Carpenter)

Urinetown, das Musical, wird bis zum 2. Juni 2019 im Act Theatre in Seattle aufgeführt. Tickets und Infos gibt es hier.

„Was ist Urinetown? Is Urinetown the end?“ So lautet der Text eines der seltsamsten Musicals, die je über die Broadway-Bühne gespült wurden. Das Musical Urinetown wurde geschrieben, um nicht nur die Gesellschaft zu persiflieren, sondern auch die kostenpflichtigen Toiletten in europäischen Städten. Das Musical Urinetown ist die perfekte Flucht-Show, voller guter Musik und Talent mit viel Humor und Satire.

Die Handlung spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Der Grundwasserspiegel ist sehr tief gesunken und verschlammt zu Brackwasser. Mr. Caldwell ist der Präsident eines Unternehmens (The Urine Good Company), dem die öffentlichen Toiletten gehören und das von den armen Leuten verlangt, dreimal täglich zu pinkeln. Diejenigen, die nicht gehorchen (indem sie in die Büsche gehen oder sich weigern zu zahlen), werden zusammengetrieben und nach „Urinetown“ geschickt. Bobby Strong arbeitet in einem solchen Etablissement und lernt bei einer zufälligen Begegnung die junge, optimistische und unschuldige Hope Caldwell, die Tochter des Chefs, kennen. Zwischen den beiden funkt es, und Hope lehrt Bobby, „auf sein Herz zu hören“. Sein Herz sehnt sich nach einem Ort, an dem die Menschen frei sind, so oft sie wollen, wann sie wollen und mit wem sie wollen“ zu pinkeln. Bobby ist inspiriert und beginnt eine offene Rebellion gegen Hopes Vater, was die zusammengewürfelte Gruppe dazu bringt, auf ihr Herz zu hören und ihm zu folgen.

Die relativ kleine Besetzung ist hervorragend. Jeder spielt nicht nur ein Mitglied von Caldwells gierigem Team, sondern auch ein Mitglied der unterdrückten Rebellionsbande, was jeder Figur eine sehr ausgeprägte (wenn auch nicht subtile) einzigartige Persönlichkeit verleiht.

Kurt Beattie, der sowohl körperlich als auch stimmlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ian McShane aufweist, spielt den Antagonisten Mr. Caldwell. Sein schurkischer Charakter ist lebendig und wirkt bedrohlich genug, um seine Rolle in der Geschichte zu verdeutlichen. Seine Bühnenpräsenz ist stark, ohne einschüchternd zu wirken, und seine Stimme ist klar mit einer subtilen Note für böse Andeutungen. Mari Nelson spielt Penelope Pennywise, die Frau, die die öffentliche Einrichtung leitet, in der die Rebellion beginnt. Es ist ein Vergnügen, ihr mit einer Art Phyllis Diller“-Persönlichkeit zuzusehen. Ihre Stimme ist stark, besonders wenn sie die Hymne „It’s a Privilege to Pee“ mit Begeisterung und Klarheit schmettert.

Mikko Juan als Bobby Strong und Sarah Rose Davis als Hope Cladwell in Urinetown (Bildnachweis Jeff Carpenter)

Mikko Juan als Bobby Strong und Sarah Rose Davis als Hope Cladwell in Urinetown (Bildnachweis Jeff Carpenter)

Der bekannte Seattle-Bühnenmensch Brandon O’Neill spielt Officer Lockstock, den inoffiziellen Erzähler der Show. Seine satte Stimme lockt uns wie eine Venusfliegenfalle; der Klang ist sanft, aber die Texte sind scharf. Herr O’Neills Bühnenpräsenz ist perfekt für die sympathische, subtil brodelnde Kraft von Officer Lockstock. Arika Matoba spielt die Figur der kleinen Sally. Das ist gut. Diese Frau stiehlt der Show mit jeder Szene, in der sie auftritt, die Show. Frau Matoba sieht aus wie ein winziges, unschuldiges Geschöpf, aber ihre Bühnenpräsenz ist stark und macht sie zu einer Wucht. Die Figur erscheint süß und trieft vor dem unschuldigen Sarkasmus einer verblichenen Kewpie-Puppe, und doch ist sie die Figur, die einige der besten Sätze der Show liefert. Brava, Ms. Matoba, Brava!

Sarah Rose Davis spielt Hope Caldwell, die junge Tochter des Urinary-Moguls. Frau Davis ist wunderbar und verbindet eine comicartige Naivität mit einer kraftvollen Gesangsstimme und einer lebhaften Bühnenpräsenz. Ihre Stimme ist angenehm zu hören, wenn sie das optimistische „Follow Your Heart“ singt. Ob sie nun mit ihrem mächtigen Vater oder mit der beginnenden Romanze mit Bobby Strong interagiert, Frau Davis liefert eine charmante Vorstellung ab. Mikko Juan übernimmt die Rolle des rebellischen Bobby Strong. Er wirkt zunächst schüchtern, bis er auf Hope trifft. Das Publikum fiebert mit, als sein Enthusiasmus ausbricht und das Theater in Optimismus taucht. Mr. Juan hat eine starke Stimme, wenn er das Lied „Look at the Sky“ oder das gospelartige „Run, Freedom, Run“ anstimmt. Dies ist Mr. Juans ACT-Debüt, und wir hoffen, ihn in vielen zukünftigen Rollen hier und auf der Bühne von Seattle zu sehen.

Das Musical Urinetown ist wie ein Comic, der auf der Bühne zum Leben erwacht. Es ist nicht nur lustig, sondern hat auch eine flotte Musik, die das Publikum zum Mitwippen bringt, und eine Geschichte, die zum Lachen anregt. Die politische Allegorie ist zwar unübersehbar, aber keineswegs bedrückend, und das Publikum kann den Druck, der auf seinen Schultern lastet, leicht abschütteln, sich zurücklehnen und diese wunderbare musikalische Flucht genießen.

Urinetown wurde am 27. August 2001 am Broadway uraufgeführt und erlebte über 950 Vorstellungen. Ursprünglich mit Hunter Foster (als Bobby Strong), John Cullum (Mr. Caldwell) und Nancy Opel (als Ms. Pennywise) in den Hauptrollen, wurde die Show für neun Tony Awards nominiert. Die Show gewann drei Tony Awards, darunter für das beste Original-Musical und die beste Original-Partitur.

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